Weniger ist mehr – deshalb raus aus der Affenfalle!

Gelänge es Menschen so einfach, ihre Lebensweise zu verändern, ihre Vorsätze in Taten zu bringen, der Einsicht die Handlung folgen zu lassen, es gäbe wahrscheinlich kaum noch Psychologen und Coaches auf dieser Welt. Wenn dieses Verharren im Alten nun aber eine ganze Gesellschaft betrifft, bekommt das Problem eine ganz andere Dimension, es wird selbstgefährdend: Wir wissen um die Klimakrise, aber wir kaufen viel zu viele viel zu große und zu starke Autos, so viele wie nie zuvor; wir essen Fleisch, bis sich die Balken biegen, lieben Früchte, die erst um die halbe Welt zu uns geflogen werden müssen - und selber fliegen wir morgen lieber 

mehr und weiter als heute. Und das, obwohl 87% von uns der Meinung sind, wir würden in Gefahr schweben. Sind wir alle total verrückt? Nein, wir sind gefangen – in einer so simplen Konstruktion wie der afrikanischen Affenfalle. 

 

Teuflisch einfach, aber ungeheuer effektiv. 

 

Das Geheimnis der Affenfalle liegt in einer großen Nuss, die sich in einem vergleichsweise kleinem Behälter befindet, der fest an einem Pfahl verankert ist. Die Nuss ist nur erreichbar durch ein kleines Loch in dem Behälter, durch das eine ausgestreckte Affenpfote so gerade hindurch passt. Hinein kommt ein Affe mit Leichtigkeit, aber wenn er die Nuss mit mit der Faust umklammert, kann er nicht mehr zurück. Der Affe realisiert nicht, dass er nur loslassen müsste, um frei zu sein. Aber die Jäger können selbst Tage später kommen, um den Affen abzuholen. Seine Gier führt dazu, dass er die Nuss niemals freiwillig loslassen würde. (Hier ein zweiminütiger Dokumentarfilm aus dem Jahr 1912!). 

 

 

Übersetzt: Wir Verbraucher sind die reingelegten Affen des Konsumkapitalismus von heute, wir sind nur noch theoretisch frei, praktisch shoppen wir mittlerweile bis zur Erschöpfung. Warum? Weil unsere Begierden nach allen Regeln der Kunst befeuert werden und ein Ethos der künstlich herbeigeführten Kindlichkeit herrscht, eine Infantilisierung, die eng mit den Anforderungen des Systems zusammenhängt. Alles muss einfach sein, alles muss am besten sofort sein. Der Philosoph und Soziologe Jean Baudrillard beschrieb 2015 den Konsum als eine „Funktion der Produktion“, deren Ziel nicht der individuelle Genuss sein kann. Es geht vielmehr um die Aufrechterhaltung eines Produktionssystems mit ständig wachsender Massenproduktion. Ein Großteil dieser produzierten Güter ist schlichtweg eine Ansammlung von Plunder, dem nur noch „Zeichencharakter“ zukommt: Es geht um Prestige- und Leistungssignale, die zeigen sollen, wer wir sind und wo wir auf der sozialen Leiter stehen. Dazu kommen diese kleinen Glückshäppchen, die wir uns schenken, weil uns alles einfach zuviel ist, erhältlich in diesen boomenden Innenstadt-Geschäften, wo es auf viel Fläche alles gibt, was man/frau absolut nicht braucht … kennen Sie das? 

 

„Wenn mein Dresscode oder Smartphone nicht dem Standard meiner Arbeitskollegen entspricht, stehe ich wie ein Freak da. Wenn ich meinen Kindern keine hinreichende Konsumausstattung gewähre, gelte ich als asozial, reaktionär oder prekär. Der damit erzeugte Stress untergräbt unsere psychische Gesundheit, was an vielen Symptomen abzulesen ist.“ 

(Niko Paech, Ökonom)

 

Nun braucht das alles Zeit. Aber Zeit ist in Zeiten der gesellschaftlichen Beschleunigung ein knappes Gut geworden. Wir bekommen zu allem anderen noch Konsum-Stress. Nach Peach endet das alles in einer Paradoxie: Wir werden rechnerisch immer reicher, während wir innerlich veröden. Der phänomenale Zuwachs an Antidepressiva-Verschreibungen und Burnouts spricht dazu eine klare Sprache. Wollen wir dafür wirklich die Erde ruinieren? 

 

Glück passiert nur im Kopf 

 

Eine aktuelle Untersuchung der Hochschule Darmstadt, nur eine von vielen mit demselben Ergebnis, kommt zu folgendem Schluss: Glück hat mit Konsum nichts zu tun. Vielmehr lässt sich dasselbe ganz ohne Konsum erlangen. „Es macht glücklich, in der Natur zu sein, spazieren zu gehen oder im Urlaub die schöne Landschaft zu genießen.“ Interessant ist auch der Fakt, dass bei vielen Menschen Statusprodukte wie dicke Autos oder teure Armbanduhren keine großen Glücksmomente mehr hervorrufen. Einige sind sogar kontraproduktiv dafür. Das Fazit der Wissenschaftler: "Konsum macht nur solange glücklich, wie er im Kopf stattfindet. Mit dem realen Kauf ist Schluss damit." 

 

Was tun? Ein Kat für unsere unersättlichen Begierden … 

 

…. ist leider nicht machbar. Ein Cut schon. Und den kann jeder für sich persönlich machen. Natürlich kostet das ein wenig Zeit und zunächst etwas Überwindung, aber es zahlt sich aus. In Qualität, die Sie zurück gewinnen. Nehmen Sie sich die Zeit, darüber nachzudenken, was Sie eigentlich warum machen (oder besser: machen zu müssen glauben). Sind Sie wirklich ein anderer mit einem kleineren Wagen, ist der Verzicht auf einen Fernurlaub im Jahr ein Unglück, das Sie in den Augen Ihrer Freunde und Bekannten herab setzt, und können Sie Ihren Fleischverbrauch nicht auf dreimal in der Woche reduzieren? Weil die Verführung über Identität und Status läuft, tun Sie sich doch einfach mit Ihren Freunden zusammen und reduzieren Sie gemeinsam – bei den Weight Watchers hat das auch funktioniert - warum also keine "CO-Watchers"? Messen Sie Ihren ökologischen Fußabdruck und reduzieren Sie ihn gezielt – Angebote zur Vermessung gibt es online (WWF-Klimarechner). Und zusammen kommt man schnell auf viele Ideen …. als Mensch und nicht als Marionette. 

 

Denn weniger ergibt unterm Strich einfach mehr. 

 


Neu im Februar 20: Klimakrise – die Angst treibt ihre ersten Blüten!

Wie hypnotisiert durch den Tanz der Schlange erstarren wir angesichts der Klimakrise weitestgehend im Nichtstun, die Gefahr schlägt uns in ihren Bann. Aber diese Angst arbeitet längst in uns. Und sie trägt ihre ersten Blüten …. der ökologische Nihilismus ist auf dem Vormarsch.


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