Die Dominanz der Alten - ein vorübergehendes "Problem"

Verhungern lassen, aussetzen oder aktiv umbringen?

 

Ja, wir dürfen uns heute glücklich schätzen: In alten Kulturen war die Frage, was mit älteren Menschen zu geschehen sei, oftmals mangels Alternativen schnell beantwortet: Verhungern lassen, aussetzen oder aktiv umbringen. Gott sei Dank haben sich die Umstände verbessert, unter denen wir heute leben, was ganz sicher dem Überfluss zu verdanken ist, in dem wir schwimmen. Wir möchten hier nicht fragen, was geschehen wird, wenn die Erde gravierende Rückschläge zu verkraften haben wird und wir wieder auf das „Nützlichkeitsniveau“ zurückgeworfen werden. „Vermächtnis“ ist ein spannendes Buch, dass  Jared Diamond, Professor für Geographie, geschrieben hat. Und wir sind beim Lesen über folgenden Passus gestolpert, den wir gerne mit Ihnen teilen möchten: 

 

„Da die Geburtenrate gesunken ist und die Überlebensquote älterer Menschen gleichzeitig größer wurde, ist die Zahl der Alten im Verhältnis zu Kindern und produktiven jungen Arbeitskräften steil in die Höhe gegangen. Die Bevölkerungspyramide steht also heute auf dem Kopf: Gab es früher viele junge und wenig alte Menschen, so sind es derzeit viele alte Menschen und weniger Babys. Für uns aus der heutigen Generation ist auch der Gedanke kein Trost, dass es in 80 Jahren nicht mehr so schlimm sein wird – dann wird die heute schrumpfende Altersgruppe der Babys zu einer schrumpfenden Altersgruppe älterer Menschen werden.“ (Jared Diamond, Vermächtnis) 

Der Überhang der Alten wächst sich aus ... 

 

Dass dieser sehr logische Sachverhalt nur in einem Buch über traditionelle Gesellschaften zu finden ist, hat schon etwas Verblüffung bei uns hervorgerufen – er fehlt ansonsten überall, wenn es um den Zusammenbruch des Rentensystems und die Überlastung künftiger Generationen geht – der Zustand ist, wenn man etwas darüber nachdenkt, tatsächlich ein vorübergehender! Also bereits die Kinder unserer Kinder werden in einer ganz anderen Bevölkerungspyramide alt werden. Salopp: Der Überhang der Alten wächst sich aus. 

 

Mal ganz einfach ins Blaue gedacht: Warum kreieren wir nicht einfach ein 2% verzinste Generationenanleihe, die das finanziert. Die Anleihe könnte auch das Problem der Alterssicherung zukünftiger Generationen lindern: Endlich ein Produkt, das eine Garantie ohne horrende Gebühren mit einer Verzinsung bietet. An so etwas brüten wir doch schon seit 10 Jahren – warum nur? Herr Söder schlägt das gerade für den digitalen Ausbau vor, da darf es wohl sein. Merkwürdig, obwohl: Da ist der Profiteur ja auch in erster Linie die Wirtschaft. Und eine Lösung an der Finanzindustrie vorbei? Undenkbar! BlackRock hat ja auf europäischer Ebene mit PEPP, die Abkürzung steht für Pan-European Personal Pension, bereits alles eingefädelt. Keine Garantien für irgendwas (Von den garantierten Gewinnen von BlackRock mal abgesehen), die rauen Gesetze des Marktes für jedermann. Braucht keiner wirklich - außer BlackRock! Wir brauchen gute Lösungen. 

Hüten wir uns vor allen Anflügen von „Gerontokratie“!  

 

In vielen Gesellschaften übt die ältere Generation eine so große Macht aus, dass ihre Regierungsform als „Gerontokratie“ bezeichnet wird, das heißt als Tyrannei durch die Älteren. Das gelingt ihnen auf dem Weg über ihre Eigentumsverhältnisse, die nicht angetastet werden – und eine Veränderung der Grundregeln in einer Gesellschaft ist ein langwieriger, schwieriger Prozess, weshalb die Jüngeren nicht aufbegehren. Rein rechnerisch haben die „Älteren“ in den nächsten Jahrzehnten das demokratische Heft in Hand. Bereits bei der letzten Wahl umfasste die Generation ab 60 mit knapp 22,4 Millionen gut ein Drittel aller potentiellen Wähler und damit rund doppelt so viele wie die jüngere Generation unter 30 Jahren, die mit 9,2 Millionen Stimmberechtigten nur knapp ein Sechstel aller Wahlberechtigten ausmachte. Angesichts der großen Herausforderungen unserer Zeit birgt diese Entwicklung natürlich auch Konfliktpotential zwischen den Generationen: Am schmerzhaftesten wird dies in der Rentenpolitik, aber auch in Sachen Bildung, Verkehr und insbesondere Ökologie (Klimakatastrophe, Umweltverschmutzung und Artensterben) deutlich. „Feigheit vor Reformen bedient die alternde Mehrheit“, so der Vorwurf. 

 

Wer löst die gigantischen Probleme der nächsten Dekaden?

 

Die nächsten Jahrzehnte werden spannend werden. Wir erinnern uns an keine Zeit, in der so viele massive nationale bis global tödliche Probleme anstanden, die gelöst werden mussten. Eine ganz schlechte Idee, sich da als "Rentner" in den wohlverdienten Ruhestand zu verabschieden und das allein einer jüngeren Minderheit zu überlassen, die das alleine nicht schultern wird. Das werden wir nur gemeinsam schaffen! Wir sollten den Gedanken des „Gemeinwohls“, der durch die neoliberale Agenda der Vereinzelung sowieso schon angeschlagen ist, nicht noch weiter ruinieren. Worum geht es? 

 

 "Die erste und wichtigste Schlussfolge aus den bis jetzt aufgestellten Grundsätzen ist die, dass der allgemeine Wille allein die Kräfte des Staates dem Zwecke seiner Einrichtung gemäß, der in dem Gemeinwohl besteht, leiten kann; denn wenn der Gegensatz der Privatinteressen die Errichtung der Gesellschaften nötig gemacht hat, so hat sie doch erst die Übereinstimmung der gleichen Interessen ermöglicht. Das Gemeinsame in diesen verschiedenen Interessen bildet das gesellschaftliche Band; und gäbe es nicht irgendeinen Punkt, in dem alle Interessen übereinstimmen, so könnte keine Gesellschaft bestehen. Einzig und allein nach diesem gemeinsamen Interesse muss die Gesellschaft regiert werden. " (Jean-Jacques Rousseau)   

 

Also "Überleben" dürfte so ein grundsätzliches Interesse sein, und zwar für alle, die bereits hier sind und die noch kommen werden. Zu reden ist über das "Wie" - das sollten wir wieder mehr kultivieren und es nicht als "Meinungsmache" mächtigen Meinungsmachern überlassen, die, Sie können es sich denken, allem anderen als dem Gemeinwohl verpflichtet sind. 

 

Gehen Sie diskutieren, wählen, informieren und engagieren Sie sich, organisieren Sie sich, glauben Sie keinen groben Unfug und lassen Sie sich nicht verarschen:

 

Der Widerstand beginnt im Kopf! Werden Sie politisch! 

 

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