Die Old School und das Klima der Veränderung

Es hat sich schon sehr breit gemacht, das Thema „Klimakatastrophe“ und Umwelt im Curriculum der Old School. Der Grund dafür ist recht einfach: Wenn Sie in den nächsten Jahren in Rente gehen und noch gut über 20 Jahre gesundheitlich aus dem Vollen schöpfen können, dann werden das exakt die Jahre sein, die über die Zukunft unseres Planeten entscheiden werden. Es werden unruhige Zeiten voller Diskussionen und realistischerweise auch Einschränkungen sein. Denn unser Umgang mit der Erde, ihren Ressourcen und ihrer Kapazität für unseren Müll, ist erschreckend rücksichtslos. Im Zuge der Globalisierung kommt der ganze Dreck, den wir vorher irgendwie „ausgelagert“ haben, zu uns zurück: In der Luft mit zu viel CO2, im Wasser mit Millionen Tonnen Plastik, das wir mittlerweile auch mit unseren Nahrungsmitteln aufnehmen, mit versiegelten und schwindenden Ackerböden, Millionen von Klima-Flüchtlingen und dem sechsten Massensterben von Arten, vom Menschen verursacht. Sie werden also absehbar in einem Klima der notwendigen Veränderung alt werden. Und Sie werden wählen müssen, ob Sie sich aktiv bei der Umgestaltung einbringen oder eine Zuschauerposition einnehmen wollen, wenn das überhaupt möglich ist. Wir von der Old School glauben, dass es eine Verpflichtung gibt, sich im Alter aktiv für die Gemeinschaft einzubringen. Schließlich waren auch wir es, die die missliche Lage für die nächsten Generationen mitgestaltet haben. Aber wir waren das nicht allein! 

 

Kleiner Exkurs "Demokratie":  Warum wir wieder politisch werden müssen 

 

Wissenschaftlich und historisch hinreichend belegt ist der Fakt, dass wir nicht in einer wirklichen Demokratie leben. Die gegenwärtigen Formen einer „repräsentativen Demokratie“ sind „Elitendemokratien“, also „Wahloligarchien“ (Staatsform, in der eine kleine gewählte Gruppe die politische Herrschaft ausübt). Seit ihren historischen Anfängen wurde die Idee einer „repräsentativen Demokratie“ mit der Absicht entwickelt, das als irrational, infantil und launenhaft angesehene „dumme Volk“ von politischer Macht fernzuhalten, damit es der besitzenden Klasse nicht gefährlich werden kann. Dafür muss es nach allen Regeln der Kunst mit anderen Dingen beschäftigt werden. Und das hat bestens funktioniert: Übermäßiger Konsum infantilisiert, Angst macht kompromissbereit, ein bisschen Wohlstand lässt Klassengegensätze vergessen, am Ende findet sich ein entpolitisiertes Volk, dass regelmäßig an einer Wahlveranstaltung teilnehmen darf, um zwischen vorsortierten Eliten mit fast identischen Programmen zu wählen.  Was wirklich boomt ist der Gaming-Markt, in Deutschland der größte Europas, erinnert etwas an "Brot und Spiele". 

 

Wir können an dieser Stelle nicht das ganze ausgefeilte Instrumentarium und den Einsatz der Massenmedien in diesem Versteckspiel ausführen, darüber gibt es hinreichend wissenschaftliche Literatur (Empfehlung: „Warum schweigen die Lämmer?“ von Prof. Rainer Mausfeld, Westend Verlag 2018, mit zahlreichen Verweisen - bitte wenn dann beim örtlichen Buchhändler bestellen!). Fakt ist, dass das Unbehagen angesichts der immer offensichtlicher werdenden Orientierung der politischen Eliten an wirtschaftlichen Interessen wächst – und dass der Kapitalismus immer mehr in Gegensatz zur Demokratie gerät. Die Gründe dafür liegen wiederum in der wachsenden Ungleichheit und dem Umstand, dass der moderne Kapitalismus abhängig von Massenkonsum und Wachstum ist. Er ist ein globales Phänomen, während die Demokratie vor allem auf nationaler und lokaler Ebene stattfindet, weshalb er sich kaum noch kontrollieren lässt. Weitere Erkenntnis: Als Wirtschaftsordnung ist er am Ende tödlich

 

„Die Demokratie wird dem Kapitalismus wahrscheinlich auch in Zukunft den bestmöglichen Rahmen bieten. Jedoch gilt dies umgekehrt wohl nicht mehr.“ (Colin Crouch, britischer Politikwissenschaftler und Soziologe, in DER ZEIT vom 5. Juni 2019

Das Ziel ist klar - in Zahlen. Nur die Vision lässt auf sich warten

Am 12.Dezember 2015 verabschiedete die UN-Klimakonferenz in Paris ein Abkommen zur Begrenzung der menschengemachten globalen Erwärmung auf deutlich unter 2°C gegenüber vorindustriellen Werten. Demnach müssen die weltweiten Treibhausgasemissionen spätestens 2020 ihren Höhepunkt erreichen und anschließend pro Jahrzehnt halbiert werden. Dies bedeutet, dass die Emissionen von 40 Mrd. Tonnen im Jahr 2020 auf 20 Mrd. Tonnen 2030 fallen müssen, auf 10 Mrd. Tonnen 2040 und auf 5 Mrd. Tonnen 2050. Derzeit nehmen die Emissionen Jahr für Jahr zu, selbst Deutschland hätte seine Klimaziele für 2020 ohne die Corona-Krise verfehlt. Die Wahrheit: Alles geschieht halbherzig, und je länger wir warten, desto heftiger wird der Bremsvorgang ausfallen müssen. Wir müssen in dieser Zeit unseren Müll drastisch reduzieren, das Plastik aus den Meeren holen, uns um die gestressten Wälder und Ozeane kümmern und versuchen, das Artensterben irgendwie in den Griff zu bekommen. Wir werden aktiv CO2 aus der Atmosphäre filtern müssen. Kurz: Wir müssen unsere Art zu leben und zu wirtschaften komplett umkrempeln. Und da Vorgänge in der Natur nur sehr langfristig reagieren, wird der Erfolg nicht sofort sichtbar werden. Die Alternative ist eine Erde, die sich unhaltbar aufheizt. Und da wird auch keine Innovation der Welt mehr helfen können, da diese Prozesse irreversibel sind, wenn die Kipp-Punkte erreicht werden. In seinem Buch "Change!" vergleicht der Autor Graeme Maxton, ehemaliger Generalsekretär des Club of Rome, dieses Szenario mit dem langsamen Erhitzen von Fröschen in einem Kochtopf. Wen wundert es da noch, wenn die informierte Jugend freitags auf die Straße geht und gegen die Untätigkeit der Politik demonstriert? 

 

Wohlstand ohne Wachstum muss kein Widerspruch sein

 

Nehmen wir das englische Wort "prosperity", wird schnell deutlich, dass Wohlstand nicht nur Konsum ist. Denn das Wort meint Wohlergehen, und seine Wurzeln liegen im lateinischen Wort für Hoffnung. Das nur in Geld zu übersetzen, ist eine moderne Konstruktion - wenn wir Wohlstand nur als wachsendes volkswirtschaftliches Einkommen sehen, verwechseln wir Ziele mit Mitteln. Das Wachstumsparadigma, so wie wir es verstanden und gelebt haben, ist an sein Ende gelangt, die Expansionsfähigkeit der Wirtschaft ist durch ökologische Grenzen begrenzt, wir zerstören durch ein "Weiter so" unsere Lebensgrundlagen. Unsere Aufgabe: Ein humanes Leben im Einklang mit der Natur zu führen. 

 

Geld lässt sich drucken - Klima nicht

 

Einladung: Gehen Sie im Geist doch mal durch begrünte Städte ohne Autos. Nur das leise Surren der Klimaanlagen, die gleichzeitig das CO2 aus der Luft filtern, dringt durch die Gespräche der vielen Menschen auf den schattigen Plätzen. Tief unten in der Erde wird Energie daraus gewonnen, Technik hat es möglich gemacht. Lautlos zieht ein Flugzeug am Himmel vorbei, ohne Kondensstreifen, dank modernster Antriebstechnik fliegt es emissionsfrei. Es spiegelt sich in einem der zahlreichen Kanäle, die das Quartier durchziehen – es ist wärmer geworden auf der Erde, und das Wasser sorgt mit dem vielen Grün für angenehmere Temperaturen. Sie sind auf dem Weg zum Einsatz in einer der zahlreichen Genossenschaften, die sich gegründet haben und die Versorgung der Stadt mit Grundnahrungsmitteln sicher stellen. Frisch und pestizidfrei. Das Gemeinwesen boomt, seitdem die Arbeitszeit auf 20 Stunden in der Woche gesenkt wurde … fragen Sie sich doch mal, ob Sie diese Vorstellung nun als Mangel empfinden - und warum Ihnen Hollywood nur Horrorszenarien zeigt? Die Konzepte sind angedacht, an der Technik wird geforscht, allein der Weg dahin ist eine Rosskur. Wir brauchen weniger die viel gepriesene ökonomische schwarze Null für Schuldenfreiheit, wir benötigen dringend die ökologische grüne Null für (von Menschen gemachte - Danke an alle Schlauberger, Nein, Vulkane werden wohl kaum zu steuern sein) Emissionsfreiheit. "Green Zero", um es mal plakativ zu sagen. Nur die wird sich, vor allem für zukünftige Generationen, lohnen. 

 

Und um es zum Schluss ganz klar zu sagen: Sie sollten politisch werden, weil es gigantische Widerstände gibt, den Status Quo zu verändern. Denn die Profiteure dieses Systems zeigen wenig Interesse, etwas zu verändern.  Und ihr Einfluss ist gewaltig. Politisch werden heißt nicht nur wählen gehen, sondern auch sich zu organisieren, zu protestieren, selbst achtsam im Alltag zu sein und Konsequenzen zu ziehen - wie die Zahlen zeigen, können wir darin alle nur viel besser werden.

 

Wenn die Bewegung nicht von oben kommt, dann muss sie eben unten beginnen. Jetzt.

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