Mensch, versteh doch: Fühle!

Vom Status Quo, der hoffentlich nie endet

 

Mehr, höher, weiter, schneller, neuer, öfter – wir haben eine klare Haltung zu den Dingen, die erstrebenswert sind! Und klar: Oben ist besser als unten, mehr besser als weniger. Nun gibt es ein gigantisches Dilemma mit vielen Wurzeln, das jetzt seine Auswirkungen voll zu entfalten beginnt: Die porentiefe Fehlprägung unserer Kultur im ausgeuferten Turbokapitalismus kann in Richtung Zukunft nicht fortgetrieben werden – das gibt der Planet nicht her. Mist!

 

Und zwangsläufig führt die porentiefe Gehirnwäsche der letzten 50 Jahre dazu, dass alle Alternativen wenig attraktiv erscheinen – weniger, langsamer, seltener, einfacher sind nicht unbedingt die Attribute, bei denen unser Sinn fürs Attraktive zu jubeln beginnt – das ist eher was bei Krankheit oder in Eso-Nischen. Und so hält die Mehrheit am Augenblick fest, dem am besten ewig zu streckenden Status Quo, der nie endet. Das ist dann nicht die düstere Zukunft, die hoffentlich nie eintritt. Da geht schnell noch eine Fernreise, so lange es noch und wieder geht, ein schwerer SUV, bevor die geächtet werden, und Fleisch Fleisch Fleisch, so lange es uns noch billig nachgeschmissen wird. Wir gehen Schlafen mit dem Wunsch, dass Morgen wieder Heute ist – aber das geht leider nur in Filmen.

 

 

Diese freiwillige Gefangenschaft in der Gegenwart ist schlichter Selbstbetrug.  

 

Der Erklärungen sind viele! Und alle stimmen

 

Bibliotheken von Büchern und Artikeln versuchen, die Ursachen unserer offensichtlichen Untätigkeit angesichts turmhoher existenzieller Probleme aufzudecken. Ökonomisch-politische Komplexe in den Gesellschaften, die ihre fossilen Geschäftsmodelle um jeden Preis verteidigen, sind ganz sicher ein riesiges Hindernis: Der Lobbyismus blüht – viel Geld fließt und bremst nun seit 50 Jahren entschlossenes Handeln bei Klimakrise, Artensterben und Plastikflut! Und schon der französische Publizist, Politiker und Historiker Alexis de Tocqueville formulierte um 1825 seine Bedenken gegenüber Gesellschaften, die sich allein auf materiellen Wohlstand kaprizieren – er beobachtete feinsinnig die junge amerikanische Kultur und kam zu dem Schluss, dass dies klar auf Kosten des Gemeinwohls gehe.

 

 In den Hyperkonsumgesellschaften von heute sucht man nun nach den Resten davon: Die Marketing- und Meinungsmaschinen haben recht erfolgreich unsere Staatsbürgerschaft gelöscht und uns alle zu Konsumenten gemacht. Der parallele Siegeszug der neoliberalen Ideologie, nach der wir uns alle im Wettbewerb befinden, hat uns vereinzelt – Neid, Skepsis, Argwohn und Ungerechtigkeitsgefühle dominieren. Die Hyperkonsumgesellschaft fordert nicht nur gestresste und überreizte Käufer, sie ist in Konkurrenz zur Demokratie geraten. Wie um Himmels Willen setzt man auf dieser unsolidarischen Grundlage herausfordernde transformative Projekte auf, die von jedem etwas verlangen? Eher gar nicht, und so verharrt die Politik im Gestern, auch wenn es wie mittlerweile gut zu beobachten die Parteien zerstört. Mal abgesehen davon, dass sich auch immer mehr Politiker der Indoktrination, nach der persönliche Vorteilserreichung das höchste Gut sei, nicht entziehen konnten. Die Maskendeals lassen grüßen!  


„Wenn wir nicht zurückkehren zu einer Empathie für die Natur, haben wir keine Chance, den ökologischen

Kollaps zu verhindern.“ (Prof. Joachim Bauer, Internist und Psychiater)


Die Wurzel allen Übels …

 

… liegt eine Etage tiefer: Die Natur zu verstehen war über Zehntausende von Jahren das Kerngeschäft unserer Vorfahren, ohne Empathie hätte die Menschheit niemals Kultur und komplexe Gesellschaften aufbauen können. Empathie war das evolutionäre Erfolgsticket unserer Spezies! Diese Eigenschaft macht es uns möglich, uns in andere hineinzuversetzen, ihr Leid und ihre Freude zu teilen und die Denkweise von anderen zu reflektieren. Sie ist nicht angeboren, sondern entwickelt sich durch liebevolle Resonanzerfahrungen. Ähnliches gilt für die Verbindung zwischen Mensch und Natur: Sie braucht Raum und Naturerfahrung, um sich zu entwickeln. Ein Blick in die heutige Realität mit ihren steinernen, lauten, künstlichen und klimaversauenden Städten macht klar, dass es um die Naturerfahrung schlecht bestellt ist. Zunehmende Digitalisierung und der Siegeszug der sozialen Medien sind überdies echte Empathiekiller – die wächst nur analog. Quintessenz: Der Mensch als Teil der Natur ist zu ihrem Feind geworden, das einstmals empathische Verhältnis zwischen Mensch und Natur ging verloren.

 

Dabei empfinden wir die Natur, wie viele Studien zeigen, auf intuitive und unbewusste Weise als einen empathischen Lebensraum, der uns umgibt. So finden Menschen mit Depressionen oder Traumata in Wald und Natur Linderung oder gar Genesung: Die Anzahl der Stresshormone sinkt ebenso wie die Herzfrequenz. Patienten in Zimmern mit grüner Aussicht erholen sich schneller, die Wundheilung wird beschleunigt. In Japan weiß man das übrigens schon lange, Shinrin-Yoku, das Waldbaden, ist dort seit Jahrzehnten anerkannte Therapie.  

 


Shinrin-Yoku, das Waldbaden, ist in Japan eine längst anerkannte Therapieform. Das Waldbaden wurde dort schon in den 80er Jahren konzipiert. Waldbaden bedeutet dabei das bewusste Spazieren oder Wandern durch einen Wald, der Natur und den Bäumen näherzukommen. Einer der grundlegenden Auslöser für die Entwicklung aller Formen von Natur-Therapie sind wissenschaftliche Untersuchungen aus den 50er Jahren. In Japan ist Shinrin-Yoku heute eine anerkannte Therapieform und es kommt nicht selten vor, dass Ärzte ihren Patienten einen mehrtägigen Aufenthalt im Wald verschreiben.


Am besten nix wie raus! 

 

Die Erfahrung, dass „totes Wissen“ nun nicht unbedingt motiviert, haben Sie sicher schon gemacht. Wir besitzen Berge davon – und sie machen unterm Strich einfach nur ein schlechtes Gewissen. Erst Erfahrung macht Wissen handlungsrelevant. Und Motivation entsteht nicht durch Belehrung oder Ermahnung, sondern durch positive Gefühle. Deshalb: Gehen Sie am besten raus in die Natur und erfahren Sie die Schönheit und die belebenden Vibrationen echter Natur – nicht die gemachte Naturkulisse teurer Urlaubsressorts. Und nein, Sie brauchen dafür keine spezielle Funktionskleidung oder ausgefallene Sportart – laut Psychologen ist das nur die kulturelle Verkleidung, um unsere Natursehnsucht zeitgemäß zu verpacken. Denn die ist nach wie vor tief in uns. Der Psychiater und Psychoneurobiologe Joachim Bauer spricht von einem „Empathischen Impuls“, den wir brauchen, weil uns die Vernunft nicht weiter bringt. Und er ist kein Esoteriker, sondern emeritierter Professor.  

 

Die Natur muss wieder in die Städte, in die Schulen, in die Kindergärten, und leider muss man es sagen, auch in viele Gärten, die "voll im Trend" zu Geröllfeldern verkommen (Was tief blicken lässt!). Nur so kommen wir wieder zu einem stimmigen Naturverhältnis, das wir brauchen, um mit ganzer Kraft und Motivation am Erhalt unseres schönen Planeten und damit an der Zukunft unserer Spezies zu werkeln. 

 

Und das am besten mit Spaß!