Nicht artgerechte Haltung – verblöden wir uns selbst?

Das Bewusstsein für die Umwelt und den Zustand unseres Planeten, insbesondere für die Megathemen Klimakrise und Artensterben, ist in den letzten 10 Jahren deutlich gewachsen, auch wenn dieser Fakt noch nicht so wirklich unser Handeln prägt. 

 

Doch gibt es einen weiteren Bereich, der unsere Aufmerksamkeit erfordert, und das betrifft nicht nur die Welt um uns herum, sondern auch unser eigenes Wohlbefinden – die artgerechte Haltung von Körper und Geist. Mediziner wie der Molekularbiologe Dr. med. Michael Nehls, Autor von „Das erschöpfte Gehirn“, warnen vor einer zunehmenden Frontalhirnschwäche, die durch nicht artgerechte Lebensgewohnheiten begünstigt wird. Schauen wir uns an, warum wir vielleicht dabei sind, uns selbst zu verblöden.

 

Schweinemast und Hühnerlegebatterien: Die Negativbeispiele unserer Zeit

 

Wenn wir über nicht artgerechte Haltung sprechen, denken viele zuerst an die Bedingungen, unter denen Tiere gehalten werden. Sie kennen sicher die entsetzlichen Bilder aus Schweinemastbetrieben und Hühnerlegebatterien. Doch inwiefern spiegelt sich diese Problematik in unserem eigenen Leben wider?

 

Ähnlich wie Tiere in Massenbetrieben werden auch wir den Anforderungen einer modernen Welt ausgesetzt, die wir uns nicht aussuchen können. Die gesellschaftliche Beschleunigung, der Druck im Beruf und der ständige Informationsfluss belasten uns auf eine Weise, die unserer natürlichen Veranlagung nicht gerecht wird. Die Folge? Eine zunehmende Erschöpfung, nicht nur physisch, sondern auch mental. Auf dem Hintergrund einer gesellschaftlichen Grundstimmung, die nicht mehr von der Verheißung des "immer besser" geprägt wird, und der Anforderung, mehr und mehr für den Erhalt des Status quo strampeln zu müssen, hat das verheerende Folgen: Seit dem Jahr 2000 haben die Fehltage wegen psychischer Erkrankungen um mehr als 80% zugenommen. Pro Jahr kommen im gesamten Bundesgebiet zwischen 60.000 und 70.000 Menschen zum bereits bestehenden Erwerbsminderungsrentenbestand wegen einer psychischen Erkrankung hinzu. 

Die Ichschwäche und ihre Auswirkungen

 

Die Ichschwäche ist ein Phänomen, das durch die Vernachlässigung grundlegender Bedürfnisse entsteht. In einer Welt, die von Hektik und Stress geprägt ist, verlieren wir oft den Kontakt zu uns selbst. Unsere Bedürfnisse nach Bewegung, gesunder Ernährung, sozialer Interaktion und einer positiven Psyche bleiben auf der Strecke. Doch warum ist das relevant für unser Gehirn? Die Antwort liegt in der Tatsache, dass unser Denkorgan eng mit unserem körperlichen Wohlbefinden verbunden ist. Eine unausgeglichene Lebensweise kann zu kognitiven Einschränkungen führen, die sich durch Gedächtnisschwäche, Konzentrationsprobleme, Burnout und Depressionen äußern können. Die Fallzahlen, Krankschreibungen und vorzeitigen Verrentungen steigen in den letzten Jahren steil an. 

 

Dazu: Das schwache Ich sucht ein starkes Wir. Die Gruppe gibt Identität und Sicherheit. Und wird natürlich nicht dominiert von intellektuellem Diskurs, sondern von abgrenzenden Stereotypen. Um mit Dr. Daniel Kahneman zu sprechen: System 1 übernimmt, und es arbeitet automatisch, schnell, weitgehend mühelos und ohne willentliche Steuerung. Alles in allem: Den Krisen und Herausforderungen der Zeit nicht angemessen. Wer die Verrohung des öffentlichen Diskurses und der politischen Auseinandersetzung beobachtet, findet hier einen der Gründe dafür. Wir finden das Ausmaß gerade beängstigend. 

 

Bewegung, Ernährung, Sozialleben und Psyche: Die Bausteine artgerechter Haltung

 

Es mag banal klingen, aber die Grundlagen für eine artgerechte Haltung liegen in den einfachen Dingen des Lebens. Beginnen wir mit Bewegung – unser Körper wurde nicht geschaffen, um den Großteil des Tages im Sitzen zu verbringen. Regelmäßige körperliche Aktivität fördert nicht nur die Durchblutung, sondern hat auch positive Auswirkungen auf unsere geistige Gesundheit.

Eine ausgewogene Ernährung ist der Treibstoff für unseren Körper und unser Gehirn. Statt uns von minderwertigen Lebensmitteln zu ernähren, sollten wir auf eine qualitativ hochwertige, ausgewogene Ernährung setzen. Dr. med. Michael Nehls betont die Bedeutung von Omega-3-Fettsäuren für die Gehirnfunktion – sie sind in Fisch, Algenöl, Nüssen und Samen reichlich vorhanden.

Ein befriedigendes Sozialleben trägt ebenfalls zur artgerechten Haltung bei. Der Mensch ist ein soziales Wesen, und der Austausch mit anderen Menschen beeinflusst nicht nur unser emotionales Wohlbefinden, sondern auch unsere kognitive Leistungsfähigkeit. Dazu: Soziale Interaktion ist einfach super komplex und trainiert unsere grauen Zellen. Die Psyche spielt eine Schlüsselrolle in der artgerechten Haltung. Stressmanagement, Achtsamkeit und positive Denkmuster sind essenziell, um die Ichschwäche zu überwinden und unser Gehirn vor den negativen Auswirkungen des modernen Lebensstils zu schützen.

 

Artgerechte Haltung oder geistiger Verfall? Die Wahl liegt bei uns! 

 

Die Diskussion um nicht artgerechte Haltung lässt sich nicht mehr auf die Massentierhaltung beschränken. Auch beim Homo sapiens gibt es Aspekte, die einer genaueren Betrachtung bedürfen. Die massive Zunahme psychischer Krankheiten und die Frontalhirnschwäche sind Warnzeichen, die nicht ignoriert werden dürfen. Salopp: Das "sapiens" steht auf dem Spiel! 

 

Es liegt an uns, die Verantwortung für unsere Lebensweise zu übernehmen. Bewegung, gesunde Ernährung, ein erfüllendes Sozialleben und eine positive Psyche sind die Schlüssel zu einer artgerechten Haltung von Körper und Geist. (In der Old School "Think, Eat, Move and Meet" - lässt sich besser merken) In einer Welt, die sich immer schneller zu drehen scheint, ist es an der Zeit, innezuhalten und zu reflektieren. Denn letztendlich liegt es an jedem selbst, ob er verblödet oder klug handelt.

 

Wir plädieren für Letzteres. 

 

#GehirnGesundheit #ArtgerechteHaltung #BrainChangeOldschool